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  • Seeforelle auf Mozzi Blinker
  • Faszination Angeln
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  • Große Marmorata aus der Etsch
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Aller Anfang...ist gar nicht so schwer

Marmorierte Forelle

Zugegeben! Den Neuling in Sachen Angelfischerei könnte tatsächlich rasch der Mut verlassen beim Einstieg in das noch unbekannte Hobby. Spätestens wenn man sich ein wenig mit dem Thema Fischerei auseinandersetzt, sich vielleicht im Internet zu informieren beginnt, einen ersten, schüchternen Blick in die Schaufensterläden des Fachgeschäfts wagt oder eingesessene Angler nach Rat fragt, besteht die Gefahr den sprichwörtlichen Wald vorlauter Bäumen nicht zu erkennen. Die Angelfischerei ist unglaublich vielfältig und umfangreich, sodass man ohne Hilfe leicht verzagen könnte. Dabei ist es aber nicht anders wie bei anderen, komplexen Tätigkeiten des Menschen. Auch hier ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Dieser Einsteiger Bericht soll dem Angelneuling und Begleitpersonen helfen sich zunächst auf einige wenige, wichtige Punkte zu konzentrieren – Schritt für Schritt, durch einen einfachen 10 Punkte Plan.

1. Die gesetzlichen Voraussetzungen

Bevor der Angelneuling voller Tatendrang ans Wasser starten kann, müssen zunächst einmal die gesetzlichen Rahmenbedingungen erfüllt werden. In Südtirol können Kinder derzeit ab einem Alter von 8 Jahren eine Fischereilizenz (Typ “B”) beim Amt für Jagd und Fischerei erwerben (http://www.provinz.bz.it/forst/fischerei/fischereilizenz.asp). Diese Lizenz befähigt dann in Begleitung einer Person, welche zusätzlich zu dieser Lizenz auch den so genannten Fischereischein (Nachweis der erfolgreich bestandenen Fischerprüfung) besitzt, in den öffentlichen Gewässern zu angeln. Ab dem Alter von 14 Jahren können Jugendliche dann selbst die Fischerprüfung ablegen (http://www.provinz.bz.it/forst/fischerei/fischerpruefung.asp) und nachfolgend ohne Begleitung angeln. Spätestens ab dem Alter von 16 Jahren muss der erfolgreiche Nachweis der Fischerprüfung
bei der Ausübung der Fischerei vorliegen.
Zusätzlich zu Fischereilizenz und ab 16 Jahren auch Fischereischein (Fischerprüfungsnachweis) muss man auch im Besitz einer Fischwasserkarte (Fischwassertages- oder Jahreskarte) sein. Diese Fischwasserkarten können bei Bewirtschaftern bzw. Fischereivereinen gegen Bezahlung erworben werden. Eine Auswahl von Kontaktinformationen von Bewirtschaftern von Fischgewässern ist unter dem Link: http://www.fischereiverband.it/webseite/index.asp?menupunkt=579 abrufbar. Zudem bieten praktisch alle Angelfachgeschäfte in Südtirol Fischwasserkarten an. Eine hilfreiche Zusammenstellung von Fachgeschäften kann unter dem Link: http://www.fischen-in-suedtirol.com/p/links.html eingesehen werden. Unter diesem Link ist auch umfangreiche Beschreibung von Fischereirevieren angeführt.

2. Die erste Ausrüstung

Das Budget von Jungfischern ist naturgemäß beschränkt, sodass sich zumeist gar nicht die “Qual der Wahl” stellt. Das allererste Gerät muss natürlich einwandfrei funktionstüchig, zudem aber auch kostengünstig und vor allem recht universal einsetzbar sein. Schließlich möchte man gerade zu Beginn mehrere Techniken ausprobieren und die Möglichkeit haben, mit ein und demselben Angelgerät mehrere Zielfischarten zu befischen. Die “Richtige” Rute für alle Fälle gibt es natürlich nicht, doch kann eine gut überlegte Gerätezusammenstellung recht vielfältig eingesetzt werden. Zwei Varianten bieten sich dazu besonders an:
Gerade für die jüngsten unter den Fischern bietet sich die Kopfrute (Stipprute) für den Einstieg in die Fischerei besonders an. Bei dieser Technik kommt man ohne Rolle aus, da die Schnur direkt an die Spitze der langen Rute geknüpft wird. Damit und mit einer oft mitgelieferten, einfachen Posenmontage lassen sich dann die ersten Weißfische (Rotaugen, Rotfedern) oder kleinere Barsche in Ufernähe fangen. Diese vergleichsweise einfache Art der Fischerei bietet sich besonders an, da kleinere Weißfische und Barsche weniger argwöhnisch sind, sodass mit einer kurzweiligen Fischerei und raschem Fangerfolg zu rechnen ist. Eine einfache derartige Grundausrüstung kann man bereits um 30 bis 50 Euro erwerben. Dieses Gerät sollte auch auf keinen Fall vergessen werden, wenn es im Sommerurlaub ans Meer geht. Gerade an felsigen Uferbereichen oder von Molen kann man damit und mit einem Stück Tintenfisch oder Brot als Köder eine kurzweilige und spannende Fischerei auf verschiedenste, ufernahe Meeresfischarten erleben.
In Südtirol, wo die Fischerei vielerorts doch mit Schwerpunkt auf Salmoniden, Forellen und Saiblinge ausgelegt ist, könnte die erste eigene Angelrute auch eine leichte Spinnrute mit einem Wurfgewicht um 15-30g sein. Bestückt wird diese Gerte (Länge um 240cm) mit einer mittelgroßen Stationärrolle der Größe 2500, gefüllt mit einer 0,25mm Durchmesser messenden Nylonschnur. Mit diesem Standardgerät ist man bereits für viele Situationen gut gerüstet. Man kann mit diesem Angelgerät Spinnfischerei auf Forellen und Saiblinge in Fließgewässern und Seen probieren, auf Schleien oder Karpfen fischen oder auf Flussbarsche mit kleineren Gummifischen oder Wobblern angeln. Ein derartiges Standartset muss nicht allzu teuer sein. Wer bereit ist für die erste Grundausrüstung etwa 100 Euro zu berappen, wird ein einwandfrei funktionstüchtiges Gerät ausgehändigt bekommen. Zusätzlich braucht man nur noch eine Handvoll einfacher Kunstköder, wie Spinner oder Blinker, die um wenige Euro pro Stück erworben werden können und wenige Kleinteile, wie Wirbel, Karabiner und einer spitz zulaufenden Lösezange.

3. Einfache Bedingungen wählen

Kinder und Jugendliche zeigen sehr oft ein angeborenes, natürliches Interesse für Fische und Angeln und beschäftigen sich konzentriert auch über Stunden am Wasser. Allerdings kann die kindliche Neugier auch an ihre Grenzen stoßen, vor allem dann, wenn sich über lange Zeit das Objekt der Begierde, die Fische, nicht zeigen wollen. Gerade in dieser Anfangsphase sollte man daher die Wahl des Gewässers, der Zielfischarten und der Technik darauf ausrichten, dass sich möglichst bald ein gewisser Erfolg einstellt. Dabei spielt es nach unserer Erfahrung keine besondere Rolle, ob die anbeißenden Flossenträger groß oder klein sind. Selbst ein kaum handlanges Rotauge oder ein mittlerer Flussbarsch lassen die Augen eines Kindes erstrahlen. Bevor man sich also auf schwierige Gewässer, seltene oder besonders scheue Fischarten einlässt, empfiehlt es sich, an kleineren Teichen oder Gräben, die oft einen starken Bestand an Schwarmfischen aufweisen, mit dem Fischen zu beginnen. Eine gute Alternative bieten auch die vielen Stauseen des Landes, welche zusätzlich zum Wildfischbestand oft auch gut mit Regenbogenforellen besetzt werden. Gerade diese Gewässer bieten sich für die ersten Wurfversuche besonders an, da kaum Vegetation am Ufer steht, in welcher sich die Montage zu Beginn leicht verfangen könnte. In den Stauseen bietet sich als reizvolle und weidgerechte Technik besonders das so genannte Hegenefischen an, für dessen Ausübung eine wenig umfangreiche Ausrüstung ausreicht.

Ein spezieller Artikel unter dieser Rubrik widmet sich besonders dieser für Kinder und Jugendliche sehr geeigneten Technik.

4. “Einfach” starten

Eine gewisse Vorbereitungsphase für den allerersten Fischgang ist natürlich ratsam. Es gilt sich zumindest grob über die Möglichkeiten, die vorkommenden Arten und einsetzbare Techniken zu informieren. Andererseits ist alle Theorie gerade beim Fischen nur allzu oft “Schall und Rauch”, weil meist doch anders kommt als erwartet und weil man sich jedesmal neu auf die Bedingungen an gerade jenem Tag einstellen muss. Auch kann die Fischerei immer am Besten direkt am Wasser erklärt werden, mit der Angelrute in der Hand. Selbst ein durch und durch fischinteressiertes Kind wird nicht lange durchhalten, wenn nur auf einem Sportplatz Wurfübungen im “Trockenen” abgehalten werden. Es muss möglichst sofort ans Wasser gehen, dort, wo man im klaren Wasser umherstreifende oder in der Ferne springende Fische beobachten kann. Dies ist der allerbeste Motivationsschub.

5. Verbündete suchen – von anderen lernen

Der Mensch lernt von Mitmenschen durch Nachahmung, auch beim Angeln. Natürlich kann man sich auch im Alleingang nach und nach technisch weiterentwickleln, doch geht es wesentlich schneller, wenn man anderen Fischern über die Schultern blicken kann. Für die gar nicht seltenen Fälle, wo (wenig fischinteressierte) Eltern nur ihrer Lieben wegen ans Wasser fahren, sollte man den eigenen Angelplatz unweit (aber mit “Respektabstand”) von jenem anderer Angler aufschlagen. Dadurch kann man sich von anderen Anglern technische Details abschauen. Vielleicht kommt man sogar mit den Angelnachbarn ins Gespräch und erreicht somit, dass ein erfahrener Fischer den ein oder anderen Trick an den Nachwuchs verrät.

6. Schwerpunkte setzen

Die Fischerei ist derart vielschichtig, dass man ein Leben lang garantiert nie auslernen wird. Allerdings können zu viele Varianten in Bezug auf Gewässer oder Zielfischarten gerade am Anfang auch hinderlich sein. Zwei, drei Versuche an ein und demselben Gewässer und mit derselben Technik sind sicherlich nicht verkehrt, damit sich das nach und nach Erlernte auch mit Nachdruck einprägen kann, bevor es zu einer anderen Technik oder an ein anderes Gewässer geht.

7. Kein Erfolgsdruck – Bitte!

Erfolgsdruck beim Fischen ist gänzlich fehl am Platz. Gerade in unserer modernen Gesellschaft, wo sich der anhaltende Erfolgsdruck zunehmend auch auf die Jüngsten erstreckt, soll Angeln eine willkommene Ausnahme darstellen. Nirgends kann man besser die Seele baumeln lassen, als beim Fischen am Ufer eines Gewässer. Der Antrieb erfolgreich zu fischen soll von den Angelneulingen selbst kommen und nicht von den Aufsichtspersonen, die sich wieder einmal darüber beschweren, dass der unsichere Wurf sein Ziel verfehlt hat und statt in Richtung Seemitte auf einem Busch am Seeufer gelandet ist.

8. Sicherheit hat immer Vorrang!

Diesen generell gültigen Ausspruch gilt es vor allem beim Fischen mit Kindern und Jugendlichen besonders zu berücksichtigen. Schnell strömende Fließgewässer, steile oder besonders rutschige Uferbereiche sind zu meiden, selbst dann, wenn sie als besonders fischträchtig eingestuft werden. Der Gebrauch einer Schwimmweste ist beim Fischen vom Boot unumgänglich, stellt aber auch beim Uferangeln eine gute Maßnahme zur Erhöhung der Sicherheit dar. Der Markt bietet hierzu moderne Modelle an, welche sich leicht und bequem über der Kleidung tragen lassen und die Angelausübung nicht beeinträchtigen.
Auch das Wetter stellt einen wesentlichen Sicherheitsfaktor dar. Labile Wetterverhältnisse, vor allem wenn verbunden mit Gewittergefahr, sind denkbar ungeeignet, wenn man Kinder mit ans Wasser begleiten möchte.

9. Gut gerüstet

Neben dem notwendigen Angelgerät sind gerade beim Angeln mit Kindern ein paar zusätzliche Utensilien sicherlich nicht verkehrt. Dies beginnt natürlich mit wetterfester Kleidung und rutschfestem Schuhwerk, denn der größte Angelspaß findet ein jähes Ende, wenn man frierend am Wasser hockt. Selbiges Ziel verfolgt auch eine gut gefüllte Provianttasche mitsamt einem wärmenden Tee. Eine große Decke kann an einem ebenen Plätzchen am Angelplatz ausgebreitet werden und im Falle eines (beim Fischen zumeist ausfallenden) Mittagsschläfchens als weicher Untergrund genutzt werden. Ein Brett- oder Kartenspiel mit kleinem Packmaß erleichert die Überbrückung von länger anhaltenden Beißphasen. Schließlich erlaubt der mitgebrachte Fernstecher das Geschehen am Gewässer näher zu betrachten und die Jungfischern auf brütende Wasservögel oder in Seemitte springende Fische aufmerksam zu machen. “…Die schwimmen bestimmt bald in Richtung unserer ausgelegten Köder…”

10. Der Spaßfaktor

Fischen muss vor allem eines erreichen, nämlich Spaß an und mit der Natur, den Gewässern und bei der Ausübung der Fischerei. Gerade der Spaßfaktor scheint bei älteren, ambitionierten Fischern nach und nach verloren zu gehen und dem Streben nach großen und immer größeren Fängen zu weichen. Gerade beim Fischen mit Kindern muss auch Platz für andere Aktivitäten am Wasser sein. Es gibt unendlich viel zu sehen und erkunden an unseren Gewässern, wenn man ein wenig genauer hinsieht. Das Wichtigste ist, dass man sich am Ende eines langen, ereignisreichen Angeltages mit zwar müden, aber auch zufriedenen Jungfischern auf den Heimweg machen kann.

Ganz egal ob dies mit oder ohne reiche Beute erfolgt.

Text: FishFirst