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  • Seeforelle auf Mozzi Blinker
  • Faszination Angeln
  • Große Marmorata aus der Etsch
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Beginn einer Angellaufbahn

BildLichtenberger Graben im Vinschgau

In meinen allerersten Lehrjahren als Jungfischer fischte ich gerne zusammen mit meinem Vater im Gewässersystem des sogenannten „Lichtenberger Grabens“ im oberen Vinschgau. Dieses kleine Gewässersystem, bestehend aus mehreren sich vereinigenden, kalten Quellgräben, galt in meiner Zeit als fischender Jungspund im zarten Grundschulalter von 8 Jahren zu meinen absoluten Präferenzen. In erster Linie zählte für mich hauptsächlich, dass es für mich beim Fischen im Lichtenberger Kanal möglich war, mich der sonst strengen und fürsorglichen Obhut meines Vaters durch bedeutend mehr Bewegungs- und Aktivitätsfreiraum zu entziehen…

Dieser Graben war seicht, mit wenig Strömung und war daher auch aus Sicht meines Vaters für mich als Kind mit Entdeckungs- und Bewegungsdrang nicht als sonderlich gefährlich einzustufen. Hinzu kam noch, dass es mich als Kind gewaltig faszinierte, wenn ich sämtliche Wasserlebewesen, insbesondere Fische, aufspüren und beobachten durfte. In der nahegelegenen Etsch war dies für mich damals aus ob genannten Sicherheitsgründen noch nicht möglich, was gab es also Besseres für mich, als dieses kleine Quellgrabensystem. Zudem war vor über vierzig Jahren eine Zeit, in der es in diesem kleinen Fließgewässer von reichhaltigem Leben unter der Wasseroberfläche noch geradezu „wimmelte“.

Wasserableitungen, Flurbereinigungen, Sedimentaushub, Absenkungen der Gewässersohle und giftige Einleitungen, wie es sie heutzutage leider viel zu oft in diesen kleinen Gräben „hinzunehmen“ gibt, gab es zur damaligen Zeit noch nicht. Die einzigen „Gewässerpflegemaßnahmen“ bestanden darin, dass die Bauern im Winter das Schilfrohr an den Ufern schnitten, um es als Strohersatz für die Pferde- und Rinderstreu zu verwenden und im Sommer in den Bereichen, wo der Wasserhahnenfuß zu üppig wucherte, diesen mit einem Krautrechen entfernten, um die Fließgeschwindigkeit des Kanals zu erhöhen. Alles in Allem waren dies äußerst fischschonende Eingriffe, und so mag es nicht verwundern, dass sich dort noch eine Vielzahl von Bachforellen, Marmorierten Forellen, Mühlkoppen, Bachschmerlen und Elritzen tummelten. Unterstand und Nahrungs Reservoir waren die in der Strömung wedelnden Fahnen des flutenden Hahnenfußes, welcher als eindeutiger Indikator auf einen hohen Kalkgehalt des Wassers hinwies. Wen mochte es verwundern, dass die gefangenen Forellen des Lichtenberger Kanals immer um Einiges wohlgenährter und dicker waren, als ihre Artgenossen in der naheliegenden Etsch. Die Vielfalt an Insektenlarven und Kleinfischen boten reichhaltige Nahrung und ließen die Fische im Lichtenberger Kanal rasch zu gut genährten Fischen ab wachsen. Forellen, aus einem reinen Naturbestand, mit einem Kilogramm Körpergewicht, waren damals keine Seltenheit. Einigen wenigen gewässervertrauten Spezialisten, vornehmlich waren dies die „alten Füchse“ unter den damaligen Fischern, war es vorbehalten, in schöner Regelmäßigkeit, durch den Fang einer großen Raubforelle im mehrstelligen Kilobereich in den Anglerkreisen des Obervinschgaus aufhorchen zu lassen. Selbst die anspruchsvollen und launischen Äschen lebten als kleiner Bestand ganzjährig im Lichtenberger Kanal. Für mich als Jungfischer bot sich damals die Gelegenheit ab März in einem allwöchentlich erfolgenden Fischgang meine allerersten Fische mit Bambusrute, Bachrolle und einem alten Meppsspinner selbst zu erbeuten. Besonders prägend und wertvoll waren die Erlebnisse und aufregenden Fischbeobachtungen, welche sich nahezu bei jedem Fischgang einstellten. Sie dienten mir sozusagen als Ersatz für die damals eher spärliche Anglerliteratur, von Internetforen und digitalem Zeitalter, wie es heute gang und gäbe ist, ganz zu schweigen. Ich durfte mir mein Anglerwissen unter der Obhut und Strenge meines Vaters, welcher selbst passionierter Bachfischer war, in Form von Beobachtungen und durchgelebten Erfahrungen aneignen.

Mit der Zeit begann ich immer besser zu begreifen, dass Fische nicht, wie es damals als Meinung landläufig gebräuchlich war, jene stummen Kreaturen sind, welche ausschließlich deshalb im Wasser leben, um nur darauf zu warten, von einem Fischer mit der Angelrute gefangen und entnommen zu werden. Trotz der sehr zahlreichen Bachforellen, die sich im Lichtenberger Kanal tummelten, waren meine Lehrjahre hart und von etlichen Schneidertagen geprägt. Das ließ in mir mit der Zeit die Erkenntnis reifen, dass Fische keineswegs „dumm“ sind, sondern sensible, empfindsame Wasserbewohner, mit hochentwickelten Sinnen. Schon bald hatte ich begriffen, dass „bachabwärtsfischen“ und fischen von der Oberkante der Uferböschung regelmäßiger Garant für Schneidertage war. Ich war dadurch zu sehr im Blickfeld der mit dem Kopf gegen die Strömung gerichteten Forellen, welche zwar argwöhnisch meinen Köder nachschwammen und inspizierten, aber letztendlich, gewarnt durch den zweibeinigen Schatten oberhalb von ihnen, es dann doch vorzogen, den Angelköder zu verschmähen. So lernte ich allmählich, mich im Uferbereich mit langsamen bedachten Bewegungen bachaufwärts zu pirschen, besonders darauf achtend ja nicht den geringsten Schatten in das quellklare Wasser zu werfen. Es war immer wieder faszinierend und aufregend zugleich die Fische zu erspähen, noch bevor diese Verdacht geschöpft hatten. und ihnen, mit vor Aufregung und Anspannung bis zum Halse klopfenden Herzen den Spinnköder vor die Nase zu werfen und einzukurbeln. Dann folgte das Beobachten wie der Köder verfolgt und häufig attackiert wurde und es war zeitlich genau passend den Anhieb zu setzen. Und zu guter Letzt galt es dann die am Haken hängende Forelle erfolgreich zu drillen und zu landen.

Der Vollständigkeit halber muss ich zugeben, dass ich damals mit wiederkehrender Regelmäßigkeit die größeren Forellen allesamt durch zu große Aufregung und überhastetem Handeln im letzten Moment doch noch verlor. Groß war der Frust und die Enttäuschung, wenn der Fisch sich am Ufer zappelnd wendete und drehte und, noch bevor ich ihn mit den Händen greifen konnte, zurück ins Wasser plumpste, nachdem es ihm gelungen war sich vom Angelhaken des Spinners zu befreien. Trotzdem freute ich mich sehr über den Fang meiner Forellen, auch wenn sich deren Maße im bescheidenen Rahmen hielten. Große gefangene Forellen zu bewundern, bekam ich durch die teils beachtlichen Größe der Fänge meines Vaters geboten.

Heute blicke ich nach über vierzig Jahren Anglerlebens dankbar an jene Zeit zurück, die mich anglerisch langsam zu dem werden ließen, der ich heute bin. Im Lichtenberger Kanal fische ich nicht mehr. Zu wertvoll sind in Zeiten wie diesen solche Rückzugsgebiete für unsere Forellen, als letztes Refugium für ein erfolgreiches Ablaichen und als schützende Kinderstube für unsere Jungfische. Er dient mir jedoch heute als willkommenes Spaziergang Gebiet, wenn es gilt, mich vom Berufsstress zu erholen und abschalten zu können. Mein Vater pflegte mir als Kind immer wieder zu sagen: „Unsere Gräben sind die Lebensadern der Etsch“.

Heute, im reifen Mannesalter von fünfzig Jahren, verstehe ich was er damals mit seinen Worten gemeint hat. Und es tut ehrlich gesagt gut, wenn ich heute mit zunehmend zurückgehendem Fischbestand in all unseren Gewässern, die Zeit dazu finde mit meinem betagten Vater die damaligen Fischererlebnisse am Lichtenberger Kanal Revue passieren zu lassen und in Erzählungen als schöne Erinnerungen wieder aufleben zu lassen.

Text: FishFirst

Ein Fang aus längst vergangenen Zeiten - Forellenfang an der Etsch im Vinschgau
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