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  • Dottersack Brut der Marmorierten Forelle
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  • Flachwasserzone im Süden des Kalterer Sees
  • Die Bachschmerle - heute sehr selten in Südtirol
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  • Dreistacheliger Stichling - Geschützte Kleinfischart in Südtirol

Revitalisierung von Gewässern

Aufgeweiteter Abschnitt der Etsch zwsichen Laag und Salurn

Ein naturnaher Lebensraum ist Grundvoraussetzung für funktionsfähige Fischbestände – darüber herrscht allgemeiner Konsens vor. Es müssen für alle Lebensphasen, vom befruchteten Ei, über den Jungfisch bis zum erwachsenen Fisch zumindest akzeptable Bedingungen vorherrschen, damit sich die Bestände langfristig halten können. Mittlerweile werden Maßnahmen zur Verbesserung des Fischlebensraumes in Südtirol routinemäßig durchgeführt, sowohl an Fließ- als auch an Stillgewässern. Einige dieser lobenswerte Maßnahmen werden in diesem Bericht exemplarisch vorgestellt.

Fließgewässer sind von Natur aus in aller Regel strukturreich. Zwar kann es auch unter natürlichen Verhältnissen so genannte “gestreckte” Bachverläufe geben, die ziemlich geradlinig talwärts fließen, doch sind derartige Gewässer – im Naturzustand – fast ausschließlich in Gebirgslagen und bei hohem Gefälle zu finden. Mit zunehmend breiter werdendem Tal nehmen Gefälle und Strömung flussabwärts ab, wobei sich das Fließgewässer nach und nach von seiner geraden Linienführung befreit. Im unbeeinflussten Zustand folgen dann in typischer Abfolge Gewässerabschnitte mit zunächst pendelndem, dann gewundenem, verzweigtem und schließlich mit mäandrierendem Verlauf. Dabei wird das vom Gewässer beanspruchte Umland zunehmend mehr, da sich die ständig oder auch nur bei Hochwasser überflutete Breite des Gewässers erhöht. Es entstehen unterschiedlichste Gewässerstrukturen, wie flach überströmte Kiesstrecken an Innenkurven, tief ausgespülte Außenkurven, Inseln, Ansammlungen von Totholz sowie Flussnebenarme und nur zeitweise angebundene Altwasser. Ein solches Gewässer bietet allen angestammten Organismen, mitsamt allen Flussfischen, beste Lebensbedingungen. Die Realität sieht heute aber vor allem im Siedlungsgebiet gänzlich anders aus. Wie in der Rubrik “Gefährdung” dargestellt, wurden viele Fließgewässer begradigt und kanalartig verbaut. Zudem verhinderten tausende von Betonsperren die Fischwanderung.

Bereits seit vielen Jahren arbeitet die Agentur für Bevölkerungsschutz (zuvor Abteilung Wasserschutzbauten) an der Revitalisierung strukturarmer Fließgewässer. Die umgesetzten Projekte können grundsätzlich in drei Kategorien eingeteilt werden.

Mehr Raum für Flüsse – Flussaufweitungen

Dort wo im Uferbereich von begradigten Fließgewässern Grundverfügbarkeit besteht, werden oft Flussaufweitungen verwirklicht. Dabei wird das Umland abgesenkt und damit dem Fluss wieder ein Teil seiner ursprünglichen Breite zurückgegeben. Dies erhöht die Strukturvielfalt und fördert damit auch den Artenreichtum. Zugleich sind diese Projekte auch aus Sicht des Hochwasserschutzes sinnvoll, da durch die abgesenkten Flächen gesicherte Überflutungsareale entstehen. Dadurch können talwärts befindliche Infrastrukturen, wie Brücken oder Siedlungsgebiete, im Hochwasserfall entlastet werden. Besonders umfangreiche Projekte von Flussaufweitungen wurden in Südtirol beispielsweise an der Ahr im Pustertal sowie am Mareiter Bach im oberen Wipptal verwirklicht. Punktuelle Aufweitungen wurden bis heute aber an vielen weiteren Fließgewässern des Landes und auch an der stark begradigten Etsch umgesetzt.

Revitalisierter Abschnitt der Ahr (Foto: Agentur für Bevölkerungsschutz)
Neu strukturiertes Ufer des Ahr Flusses (Foto: Agentur für Bevölkerungsschutz)
Flussaufweitung an der Etsch bei Laag
Umgestaltetes Etschufer bei Laag

Mehr Struktur – mehr Fische

Dort wo der Platz für großflächige Aufweitungen nicht gegeben ist, wird oft versucht durch Einbau von Stein- oder seltener Holzelementen die Strukturvielfalt der Gewässer zu erhöhen. Gerade an der kanalartig verbauten Etsch, wo aufgrund von intensiver Landwirtschaft und von Infrastrukturen große Aufweitungen kaum realisierbar sind, wurde und wird mit großen Steinblöcken zusätzliche Struktur geschaffen. Der Fluss reagiert auf diese Störelemente, verändert sein ansonsten monotones Strömungsmuster und bildet abwechselnd schnellere und dann wieder ruhige Bereiche, die für die verschiedenen Fischarten und für verschiedene Altersklassen wichtig sind.

Totholz schafft Fischunterstände am Oberlauf der Falschauer
Störsteine erhöhen die Strukturvielfalt am Oberlauf der Falschauer
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Raue Rampen ersetzen die einstigen Betonsperren an der Falschauer
Freie Fahrt für Fische
Etsch bei Neumarkt

Freie Fahrt für Fische – Erschließung der Wanderwege für Flussfischarten

Fische müssen wandern können. Vor allem zur Fortpflanzungszeit machen sich viele Flussfische, allen voran die Salmoniden, auf die Suche nach geeigneten Abschnitten, wo die Eier abgegeben werden können. Für Forellen, Saiblinge und Äschen sind dies lockere Kiesflächen, die oft nur in den oberen Abschnitten der Hauptgewässer oder in den Zuflüssen zu finden sind. Sind diese Gebiete durch Betonsperren oder Wehranlagen nicht erreichbar, kann keine gute Fortpflanzung erfolgen, worunter der Fischbestand natürlich leidet. Bis heute wurden viele einst vom Menschen unterbrochene Wanderwege für Flussfische wieder erschlossen. Auch diese Arbeiten wurden maßgeblich von der Agentur für Bevölkerungsschutz umgesetzt.

Wiederhergestellte Fischpassierbarkeit am Mittellauf der Falschauer
Raue Rampen ersetzen die einstigen Betonsperren an der Falschauer
Umgestalteter Mündungsbereich des Rojenbachs - bereits im ersten Winter nach den Umbauarbeiten stiegen Laichforellen auf
Rojenbach kurz vor der Mündung in den Reschensee vor der Umgestaltung - damals war der Aufstieg der Seeforellen unmöglich