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  • Etsch bei Laag - dieser Abschnitt ist vergleichsweise kanalartig verbaut
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Schadstoffeintrag

Graben ohne Uferschutzstreifen

Seit der flächendeckenden Inbetriebnahme der großen Kläranlagen auf Landesgebiet hat sich die Wasserqualität der Südtiroler Gewässer deutlich verbessert. Bis Anfang des neuen Jahrtausends gingen alle großen Kläranlagen auf Landesgebiet in Betrieb, was sich deutlich auf die Gewässergüte auswirkte. Waren bis in die 1990er Jahre vor allem die Flüsse der Talsohle teilweise noch als kritisch belastet eingestuft, weist heute die überwiegende Mehrheit unserer Gewässer eine gute bis sehr gute Wasserqualität auf. Trotz dieses erfreulichen, positiven Trends bestehen auch heutzutage noch Probleme im Bereich der Schadstoffeinleitung.

Einträge aus der Landwirtschaft

Das Fischsterben am Plauser Gießen im Vinschgau im Jahr 2015 war vor allem aus einem Grund besonders bedeutsam: Es war der erste, eindeutig dokumentierte Fall, bei welchem nachweislich Pestizideinträge aus der Landwirtschaft als Ursache bestätigt werden konnten. Die Konzentrationen der damals im Gewässer und den toten Fischen nachgewiesenen Substanzen war derart hoch, dass wohl nicht von einer Abdrift von benachbarten Obstplantagen ausgegangenen werden kann. Vielmehr muss bei diesem Vorfall von einer groben Fahrlässigkeit beim Umgang mit den bekanntlich besonders fischschädlichen Giften ausgegangen werden. Allerdings geht die Problematik der Spritzmittel weit über diesen Einzelfall hinaus. Bei genauerer Betrachtung der Ergebnisse der chemischen Untersuchungen an den Gewässern fällt auf, dass Pestizide weit häufiger in Wasserproben gefunden werden, als allgemein angenommen. Zwar sind die vorgefundenen Mengen weit niedriger als jene im Fall “Plauser Gießen”, doch bedeutet dies keineswegs, dass deswegen keine negativen Auswirkungen auf die Wasserlebewesen zu erwarten sind. Schließlich richtet sich der Zeitpunkt der Probennahme nicht nach den tatsächlichen “Spritzkalendern”, sodass zumindest kurzzeitig in den Gewässern deutlich höhere Schadstoffbelastungen als jene der offiziellen Messwerte möglich sind. Und zudem darf nicht unterschätzt werden, dass die gesetzlichen Grenzwerte nur jeweils für jeden einzelnen Wirkstoff für sich genommen gültig sind. Welche Summenwirkung selbst geringe Konzentrationen bei dem gleichzeitigen Auftreten mehrerer Stoffe zu erwarten ist, ist bis heute völlig unbekannt. Gerade auf diesem Gebiet besteht nach wie vor sehr viel Untersuchungsbedarf.

Bis heute sind die allermeisten Grabensysteme in der Talsohle diffusen Einträgen aus der Landwirtschaft völlig schutzlos ausgesetzt. Uferschutzstreifen, Weiden, Buschwerk und Sträucher, welche einen wesentlichen Schutz vor Abdrift von Pflanzenschutzmitteln darstellen und zudem vielen Tier- und Pflanzenarten inmitten der Monokulturen der Talsohle als Rückzugsraum dienen würden, sind bis heute praktisch nirgendwo zu finden.

Immer wieder machen auch “Gülleunfälle” den Fischbeständen des Landes zu schaffen. Gerade im zeitigen Frühjahr kommt es immer wieder zu Fischsterben, bei welchen die Einleitung von Gülle als Ursache angenommen wird. Neben Fällen, wo die fahrlässige Lagerung der Gülle zu den Schadstoffeinleitungen führt, ist es oft auf die verbotene Ausbringung auf gefrorenen Böden in unmittelbarer Nähe zu Gewässern, welche zu den Fischsterben führt.

Mikroverunreinigungen

Die Klärleistung der Abwasseraufbereitungsanlagen in Südtirol hat einen sehr hohen Wirkungsgrad erreicht. Ein Großteil der Phosphor- und Stickstoff-Belastung des Klärwassers kann heute durch die Kläranlagen entfernt werden, sodass sich die organische Belastung der die Kläranlagen verlassenden Wassermengen sehr stark reduzieren lässt. Dies hat zu einer deutlichen Verbesserung der Gewässergüte der allermeisten Bäche, Flüsse und Seen des Landes geführt.

Dies gilt aber keineswegs für so genannte Mikroverunreinigungen. Medikamentenrückstände, Chemierückstände und hormonaktive Stoffe passieren die Kläranlagen ungehindert und werden in die Gewässer eingebracht. Welche Langzeitwirkung der täglich in die Gewässer eingetragene Stoffmix auch auf unsere Fischbestände haben kann, ist nach wie vor offen. Mögliche Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit, das Immunsystem und generell auf den Gesundheitszustand der Wasserbewohner gelten in der wissenschaftlichen Literatur als durchaus wahrscheinlich. Auch hier besteht deutliches Untersuchungsdefizit.

Text: FishFirst