• Äsche - das kleine Maul und die spitz zulaufende Pupille weisen auf einen Kleintierfresser hin.
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  • Die Bachschmerle - heute sehr selten in Südtirol
  • Kapitaler Flussbarsch auf Nymphe
  • Bachforelle - die dominante Fischart der Fließgewässer Südtirols in mittleren bis hohen Lagen.
  • Dohlenkrebs - die einzige heimische Flusskrebsart in Südtirol.
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  • Dreistacheliger Stichling - Geschützte Kleinfischart in Südtirol
  • Hochrückige Seeforelle
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  • Schuppenkarpfen
  • Traumhafte Marmorata aus der Etsch

Der kleine Drache: Die Mühlkoppe

Mühlkoppe aus den Pfattner Graben

Den Betrachter erinnert die Mühlkoppe oft an einen kleinen Drachen. Mit riesigem Kopf, weit hervorstehenden Augen und sehr breiter Maulspalte ruht der kleine Bodenfisch unserer Bäche und Flüsse auf seinen mächtigen Brustflossen. Durch die nachtaktive Lebensweise gerät die Mühlkoppe nur selten in das Blickfeld der Angler. Dadurch fristet der “Tolm”, wie die Koppe hierzulane auch heißt, ein weitgehend unbeachtetes Dasein im Schatten der großen Flussfischnamen, wie Marmorierte Forelle und Äsche. Grund genug den wenig bekannten Kleinfisch im vorliegenden Portrait näher zu beleuchten.

Artenvielfalt und Verbreitung

Verwandtschaftlich gesehen gehört die Koppe zu einer formenreichen Fischgruppe, welche ihre größte Artenvielfalt im Salzwasser entfaltete. Dagegen ist die engere Verwandtschaft, die Arten der Gattung der Koppen/Groppen, auf ein Leben im Süßwasser – selten auch Brackwasser – angepasst. Insgesamt besiedeln die verschiedenen Arten innerhalb dieser Gattung die Nordhalbkugel und sind hier zirkumpolar verbreitet. Koppen besiedeln nahezu den gesamten europäischen Kontinent. Insgesamt werden nach neuester Literatur bis zu 15 europäische Koppenarten beschrieben, von denen für Südtirol die Art Cottus gobio als heimisch anzusehen ist. Diese Art zeigt ein großes Verbreitungsgebiet, welches sich von Teilen Skandinaviens bis in den norditalienischen Raum erstreckt. Die West-Ost Verbreitung reicht von Zentraleuropa bis in den Balkanraum. Flankiert wird das Verbreitungsgebiet dieser Art von jenen nahe verwandter Arten der Gattung Cottus, welche kleinräumigere Areale außerhalb des Verbreitungsgebietes von Cottus gobio besiedeln.

Vorkommen in Südtirol

Die Mühlkoppe kommt in Südtirol weit verbreitet in den mittleren und unteren Abschnitten der Fließgewässer vor, wie im gesamten Verlauf der Etsch und zudem in weiten Abschnitten von Eisack, Rienz und Ahr. Weitere Vorkommen betreffen Abschnitte von Talfer und Gader sowie die Mündungsbereiche von einigen Zubringer der großen Flüsse. Schließlich kommt die Koppe in einigen quellgespeisten Gräben der Talsohle sowie, wenngleich selten, in einigen Hochgebirgsseen vor.
In den letzten Jahren wurden in mehreren Gewässern des Landes, welche bislang keine Koppenbestände (mehr) aufwiesen, Ansiedlungsmaßnahmen durchgeführt. Beispiele hierfür betreffen Gewässer im Gadertal, Eggental und Passeiertal. Teilweise konnte bereits der Erfolg dieser Ansiedlungsmaßnahmen durch das Amt für Jagd und Fischerei festgestellt werden.

Etsch bei Kastelbell
Etsch bei Kastelbell
Etsch im Vinschgau
Etsch im Vinschgau
Etsch bei Bozen
Etsch bei Bozen
Pfattner Graben
Pfattner Graben
Reschensee
Reschensee
Aurer Graben
Aurer Graben

Aussehen und Anatomie

Die Mühlkoppe erinnert viele Betrachter an einen kleinen Drachen. Typisch ist der keulenförmige Körper mit breitem Kopf, weit hervorstehenden, großen Augen und die tiefe Maulspalte. Zudem kennzeichnet die Koppe der sich nach hinten stark verjüngende Körper und die mächtigen, fächerförmigen und den Körper vom Boden abstützenden Brustflossen. Der schuppenlose Körper weist ein geflecktes bis marmoriertes Muster auf, bei welchem die Farbtöne grau bis braun überwiegen. Der Mühlkoppe fehlt die Schwimmblase, was ein bewegungsloses Schweben im Wasser unmöglich macht. Dadurch ergibt sich auch das für die Koppe typisch hüpfende Schwimmmuster. Kräftige Bewegungen der Schwanzflosse lassen den Körper einige Zentimeter vom Gewässergrund aufsteigen, gefolgt von einer Gleitphase wieder zurück zum schützenden Grund.

Lebensweise

Die Mühlkoppe benötigt Gewässerabschnitte mit geeignten Unterständen. Bereiche mit Grobkies und vor allem größeren Steinen bieten sowohl ein Bollwerk gegen starke Strömung als auch Schutz vor Fressfeinden. Versteckt zwischen Gestein oder Wurzelwerk verbringt die Koppe den Tag und wird erst bei Einbruch der Dämmerung aktiv. Dann sucht der Fisch nahe gelegene Gewässerbereiche nach geeignetem Futter ab. In erster Linie wird dabei Jagd auf wirbellose Kleinorganismen gemacht. Insektenlarven, Würmer und Schnecken stehen ganz oben auf dem Speiseplan der Mühlkoppe. Zudem werden bei Gelegenheit auch Fischlaich und Brut nicht verschmäht. Dies hat der Koppe vielerorts auch einen schlechten Ruf als Laichräuber in Salmonidengewässern eingetragen. Die Koppe sollte demnach zu starken Populationseinbußen der Forellenbestände führen und möglichst ‚kurz‘ gehalten werden. Hinter einer derartigen, weitgehend unbegründeten Einstellung steht in der Regel die Vorstellung von Naturgewässern als ‚Fischzuchtanlagen‘ mit möglichst großer Bestandsdichte der Nutzfischart. Erfreulicherweise ist diesbezüglich zunehmend ein ökologisch basiertes Umdenken zu verzeichnen.

Die von der Koppe besiedelten Gewässer müssen darüber hinaus eine sehr gute Wasserqualität und ein sommerkühles Temperaturregime aufweisen. Die maximal 15 cm langen und nur rund 5–6 Jahre alt werdenden Koppen zeigen ein äußerst interessantes Laichverhalten. In den Frühjahrsmonaten werden bei Wassertemperaturen um 10°C von den Rognern etwa 100–200 Eier meist an die Unterseite größerer Steine angeheftet. Die befruchteten Eier entwickeln sich in wenigen Wochen, wobei sich die geschlüpften Brütlinge noch gut 10 Tage von ihrem großen Dottersack ernähren. Die männlichen Tiere zeigen ein interessantes Brutpflegeverhalten; während der gesamten Brutzeit bewacht der Milchner das Gelege und führt dem klumpigen Eigelege mit den großen Brustflossen stets sauerstoffreiches Frischwasser zu. Während den Wochen der Brutpflege nimmt das Männchen dabei generell keine Nahrung auf und verliert nach und nach erheblich an Gewicht. Diesbezüglich wurde beobachtet, dass als Selbstschutz vor dem Hungertod im Notfall auch Eier aus dem eigenen Gelege in kannibalischer Weise gefressen werden.

Gefährdungsursachen und Populationstrend

Auf Europäischer Ebene stellt die Mühlkoppe eine gefährdete Fischart dar. So findet sich dieser Kleinfisch in vielen „Roten Listen“ europäischer Staaten. Auch die Europäische Union hat die Gefährdung der Koppe erkannt und führt diese Fischart in der Fauna-Flora Habitat Richtlinie als Fischart von gemeinschaftlichem Interesse, für dessen Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Als Gefahrenquellen für die Bestände der Mühlkoppe sind in erster Linie Gewässerverunreinigung und Gewässerverbauung zu nennen. So ist bekannt, dass die Koppe auf Schadstoffeinleitungen unzureichend geklärter Abwässer besonders empfindlich reagiert. Zeitweilige Bestandseinbrüche in der Zeit vor der flächendeckenden Abwasserklärung dürften auch für Südtirol auf unzureichende Wasserqualität zurück zu führen sein. Zudem spielt der ökomorphologische Zustand der Gewässer für die Bestände der Mühlkoppe eine primäre Rolle. Das Gewässer muss in erster Linie geeignete Unterstände und Laichplätze bieten, um die Bestände langfristig aufrecht zu erhalten. Begradigte Gewässer mit starkem Verbau der Gewässersohle (betonierte Ufer und Sohle, Mangel an Struktur) werden allgemein als besonders hinderlich für die positive Entwicklung von Koppenbeständen angesehen. Entgegen dem vielerorts negativen europäischen Trend zeigen die Bestände der Koppe hierzulande eine positive Entwicklung. Wir sind in Südtirol in der glücklichen Lage in vielen Gewässern stabile, oft auch steigende Bestandsdichten der ganzjährig geschützten Mühlkoppe vorzufinden. Damit finden sich auf Landesgebiet mit der Koppe, der Marmorierten Forelle, dem Steinbeißer sowie der Bachschmerle vier auf Europäischer Ebene als besonders schützenswert eingestufte Fischarten.

Dies muss uns als Angler einerseits stolz auf unsere heimischen Arten machen. Andererseits tragen wir durch dieses besondere biologische Erbe eine erhebliche Verantwortung. Wir müssen den Wert unserer heimischen Fauna erkennen und wir haben die Verpflichtung, uns aktiv für den Schutz und die Erhaltung der heimischen Arten und deren Lebensraum einzusetzen. Jeder einzelne von uns!

Text: FishFirst

Koppe
Koppe
Mühlkoppe
Mühlkoppe
Mühlkoppe aus den Pfattner Graben
Mühlkoppe aus den Pfattner Graben
Mühlkoppe
Mühlkoppe